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Green River, Utah, USA.

Die Geschichte über die Entstehung des nordischen Tipis Stratus™

Stratus 72.

Lebendig aufgefressen

Frühjahr 1979. Nach einer ganztätigen Paddeltour in der beeindruckenden nordschwedischen Wildnis hatte Bengt Grahn das Kanu an Land gezogen und sein Lager aufgeschlagen. Vor Bengts kleinem Zelt loderte ein gemütliches Feuer, auf......

Lebendig aufgefressen

Frühjahr 1979. Nach einer ganztätigen Paddeltour in der beeindruckenden nordschwedischen Wildnis hatte Bengt Grahn das Kanu an Land gezogen und sein Lager aufgeschlagen. Vor Bengts kleinem Zelt loderte ein gemütliches Feuer, auf dem er sein wohlverdientes Abendessen zubereitete. Aber die Luft vibrierte vor Stechmücken. Obwohl Bengt sich so gut wie möglich schützte, fraßen ihn die kleinen Ungeheuer förmlich bei lebendigem Leibe auf. Ein wunderbarer Tag in der Natur wurde von Millionen blutgieriger Insekten verdorben.

Aber es musste doch eine Lösung für dieses Problem geben?! Ein Zelt, in dem man gemütlich an einem wärmenden Feuer sitzen und sich etwas Gutes kochen kann. Ein Zelt, das Schutz vor den Mücken bietet. Das weltbeste Zelt …

Ein Licht geht auf

Zehn Jahre später im Dorf Moskosel im Inneren Lapplands, nicht weit vom einstigen „Mückenlager“ entfernt: Als Bengt Grahn eines Abends im Gemeindehaus auf einem Stuhl stehend eine Glühlampe austauschte, ging ihm auch im übertragenen Sinne ein Licht auf …
„Ich gründe ein Unternehmen und stelle nordische Tipis her“, dachte Bengt.

In diesem Augenblick der Entscheidung verschmolzen Bengts Wissen über die traditionellen Behausungen der Sami und sein lange gehegter Traum, das perfekte Zelt zu schaffen. Und damit fing alles an … Moskoselkåtan AB (später zu Tentipi AB umbenannt) wurde ins Leben gerufen, und bald war Bengt in vollem Gange.

                            Eine samische Familie um 1900

Krummmachen für gerade Stangen

Ausgestattet mit ein paar Schnittmustern für kegelförmige Zelte, die er bei einem Unternehmer aus der Region erstanden hatte (und die sich bald als ziemlich miserabel erwiesen), sowie einer großen Portion Selbstbewusstsein lernte Bengt Grahn autodidaktisch, riesige Stoffstücke in nordische Tipis zu verwandeln.

Zunächst machte Bengt alles selbst, angefangen beim Einkauf über das Nähen bis hin zum Vermarkten und Vertreiben der Zelte. Doch bald konnte er den ersten Mitarbeiter beschäftigen. Die Zeltherstellung erwies sich als lukrativ, und man begann mit der Entwicklung neuer Produkte.

                                         Frühe nordische Tipis von Moskoselkåtan AB

Bengt Grahn erhielt die erste Anfrage nach einem besonders großen nordischen Tipi. Bengt vereinbarte mit dem Besteller, dass er nur das Zelt nähen würde und sich nicht um die Stangen zu kümmern brauchte. Als Bengt am Tag vor der Einweihung des Zeltes zum Aufstellplatz kam, fiel Bengts Blick sofort auf den mit Zeltstangen vollgeladenen Anhänger. Er war bestürzt: Die Stangen waren alles andere als gerade. Sie waren unbrauchbar! Aber irgendwie musste das Problem gelöst werden. Und so machte sich Bengt mit einer Motorsäge ausgerüstet in den Wald auf, um nach langen, geraden Bäumen zu suchen, die sich für das Zeltskelett eigneten. Er schuftete die ganze Nacht, und morgens um fünf hatte er genügend Stangen zurechtgesägt und entrindet. Die Zeltplane wurde über das Skelett gezogen – und passte perfekt.

Kinderkrankheiten

Wie es bei vielen frühen Produktversionen der Fall ist, hatten auch die ersten nordischen Tipis im Großformat so ihre Probleme. Die Stangen waren zwar lang genug und schön gerade, aber sie waren schwer und brachen allzu leicht, wenn sie fallen gelassen wurden oder starkem Wind ausgesetzt waren. Das Aufstellen der nordischen Tipis nahm viel Zeit in Anspruch; zwei Personen waren acht Stunden lang beschäftigt. Und das Überziehen der Plane erforderte manchmal Näharbeit vor Ort; weshalb Bengt Grahn beim Aufstellen jedes einzelnen Zeltes dabei sein musste.

Bei einer zufälligen Begegnung mit einem Waldarbeiter eröffnete sich die Möglichkeit, für die Zeltstangen einen besonderen Holztyp zu verwenden, der nur in einem schmalen Gürtel in den nordskandinavischen Wäldern gedeiht. Das Holz wächst gerade und ist leicht. Wegen seines langsamen Wachstums ist es flexibel und extrem stabil. (Die Bäume, aus denen Stangen für das nordische Tipi Stratus™ gemacht werden, sind beim Fällen gewöhnlich 100 Jahre alt.) Versuche ergaben, dass der Holztyp ideal war. Allerdings sind die passenden Bäume recht schwer zu finden. Selbstständige Forstwirte übernehmen die winterliche Holzernte für Tentipi. Sie wählen die Bäume sorgfältig aus, fällen sie von Hand, entasten sie und schaffen sie auf dem Schneemobilanhänger aus dem Wald.

In der Folge verkürzte sich die Zeit, die der Aufbau eines großen nordischen Tipis in Anspruch nahm. Weil Bengt Grahn ein komplett neues Modell für den Bau des Gestells und das Überziehen der Zeltplane entwarf, entfielen auch die Näharbeiten vor Ort. Viele der Entwicklungen basierten auf völlig neuen Prinzipien, und das Unternehmen konnte etliche davon patent- und musterschutzrechtlich schützen lassen.

Hattjätten

Der nächste große Schritt wurde im Jahr 1993 gemacht. Mitglieder einer samischen Kulturorganisation, die von den Moskoselkåtan-Zelten begeistert waren, nahmen Kontakt mit Bengt Grahn auf. Sie baten ihn, einen 25 x 50 m großen Ausstellungsraum zu entwerfen, in dem sie Werbung für samische Produkte machen und über die samische Kultur informieren konnten. Zum damaligen Zeitpunkt der Firmengeschichte kam dieser Auftrag einem Riesenprojekt gleich. Schnell erkannte Bengt, dass das nordische Tipi mit höhenverstellbaren Seiten ausgestattet werden musste. Nur so konnten die Besucher beim Vorbeilaufen sehen, was im Inneren des Zeltes ausgestellt wurde. Ein Jahr zuvor hatte Bengt in Stockholm mit hochrollbaren Zeltwänden experimentiert. Bei diesem Design wurde den Besuchern zwar Einblick ins Zelt gewährt, aber gleichzeitig verringerte sich dabei die überdeckte Fläche und so auch die effektive Zeltfläche. Bengt grübelte über andere Lösungen des Problems nach.

                                     Blick in das erste Exemplar des Zeltes Hattjätten, heute Stratus™ genannt

Da kam ihm die Idee, den unteren Bereich der Zeltplane mit Erweiterungsstoffteilen zu versehen. Eine praktische Lösung eines spezifischen Problems, die aber enorme positive Folgewirkungen haben sollte. Mit zusammengezogenen Erweiterungsstoffteilen war das Zelt wie ein normales nordisches Tipi aufstellbar; waren die Teile lose, konnte man den unteren Teil der Zeltplane anheben und mit Hilfe von Holzstangen zu einem Ausstellrand aufspannen, der dem Zelt die Form eines riesigen Hexenhuts verlieh. Mit dieser Lösung zum Öffnen der Zeltseiten wurde die überdeckte Fläche nicht verkleinert, sondern vergrößert, und gleichzeitig hatten die vorbeischlendernden Besucher freien Blick ins Zeltinnere.

Das erste Hattjätten-Zelt (heute Stratus™ genannt) wurde pünktlich für die Veranstaltung fertig – und ein voller Erfolg. Bengt Grahn beantragte die Urheberrechtsinhaberschaft für die spezielle Form von Stratus™. Sein Antrag wurde bewilligt, der Schutz verfällt allerdings 75 Jahre nach Bengts Tod.

Zusammenkoppelungen

Um uns Tentipis nächsten großen Entwicklungsschritt zu vergegenwärtigen, müssen wir die Sphäre des Unternehmens verlassen und uns dem samischen Unternehmer Roger Rimpi zuwenden. Roger hatte im Ausstellungsraum im Stratus™-Vorgängerzelt mitgewirkt. Er war der erste, dem auffiel, dass man dank der höhenverstellbaren Seiten mehrere Zelte zu einer größeren zusammenhängenden Konstruktion aneinanderkoppeln konnte. Und genau das tat Roger 1993 zum ersten Mal: auf einer Veranstaltung im Stockholmer Zoo mit drei nordischen Tipis Stratus™.

                                     Eine von Roger Rimpis spektakulären Veranstaltungen

Stratus™ war ursprünglich nicht für das Zusammenkoppeln ausgelegt, und so verlangten diese Konstruktionen anfänglich einigen Denkaufwand. Aber als immer mehr Kunden die Zelte aneinanderkoppelten, wurden neue Produkte entwickelt, die die Arbeit vereinfachten. Außerdem wurde das nordische Tipi selbst modifiziert und die Zusammenkopplungstechnik besser, einfacher und eingängiger gemacht.

Die Möglichkeit des Zusammenkoppelns macht Stratus™ einzigartig. Mit dem nordischen Tipi kann man alle möglichen aufsehenerregenden und spannenden Formen gestalten und große – ja riesige – überdeckte Räume schaffen. Der aktuelle Rekord liegt bei 34 zusammengekoppelten Stratus™-Zelten; in diesem eindrücklichen Raum aus nordischen Tipis genossen 2 000 Menschen ein Dinner.

Mehr Länder, größere Ansprüche

Stratus™ und die Möglichkeit, große Konstruktionen mit dem nordischen Tipi zu bauen, machte von sich reden. Das Zelt wurde in immer mehr Länder verkauft und für immer neue Arten von Veranstaltungen genutzt – von englischen Hochzeitsfesten auf dem Land, über Skisprungveranstaltungen in Norwegen, bis hin zu australischen Strandpartys und Musikfestivals in Deutschland.

                                       Drei Stratus™-Zelte

Mit dieser Erweiterung des Anwendungsbereichs gingen auch neue Anforderungen einher: Man musste an den jeweiligen Markt adaptierte neue Zeltlösungen finden, die landesspezifischen Gesetze im Hinblick auf die Flammschutzeigenschaften erfüllen, formelle Widerstandsfähigkeitstests bestehen usw. usw.

Die Wahl des Zeltstoffes stellte das Unternehmen vor die größte Herausforderung. Es gibt viele Zelthersteller weltweit, die Zeltplanen für Holzskelette produzieren. Aber für ein Stratus™-Zelt kann keine x-beliebige Plane verwendet werden. Wegen der Größe des nordischen Tipis und seiner Zusammenkoppelbarkeit muss die Plane eine ganze Reihe an Anforderungen erfüllen. Von der Plane wird unter anderem gefordert,

  • dass sie regendicht bleibt, auch wenn sie über rustikale Holzstangen gespannt ist.
  • dass sie so leicht ist, dass das Zelt ohne Einsatz von Maschinen aufgestellt werden kann.
  • dass sie so kräftig ist, dass sie die Belastungen aushält, denen ein Zelt dieser Größe ausgesetzt ist.
  • dass sie die gesetzlichen Anforderungen der verschiedenen Länder im Hinblick auf den Flammschutz erfüllt.
  • dass sie nicht zu stark eingeht und sich nicht zu stark dehnt.
  • dass sie sich angenehm anfühlt und schön aussieht. (PVC, aus dem heute die meisten großen Zelte gemacht werden, würde das ansprechende Aussehen des nordischen Tipis zerstören.)
  • dass sie möglichst umweltgerecht ist.

Tentipi suchte über etliche Jahre hinweg und in vielen Ländern nach Geweben, die diese Anforderungen erfüllen. Hunderte Textilien wurden angeschaut und Dutzende getestet, bevor man sie in die Zeltherstellung einbezog. Es gibt kein Standardgewebe, das für Stratus™ funktioniert. Deshalb musste in Zusammenarbeit mit verschiedenen Textilunternehmen ein taugliches Gewebe entwickelt werden. Trotzdem ist das Problem des geeigneten Gewebes natürlich nie endgültig gelöst: Die Normen verändern sich permanent, und es kommen immer neue Länder hinzu, in denen das Stratus™-Zelt genutzt wird.

Nicht fertigentwickelt

Damit sind wir in der Gegenwart angelangt. Bei einem Produkt, gespickt mit Zeltlösungen, die aus den Erfahrungen einer fast zwanzigjährigen Verwendung resultierten – in verschiedenen Anwendungsbereichen, an verschiedenen Orten der Welt und bei verschiedenen Wetterverhältnissen.

                                                     Stratus™ heute

Allerdings ist die Reise noch nicht zu Ende. Tentipi betreibt ein Produktentwicklungsprogramm, bei dem aktiv drei Ziele verfolgt werden: 1.) neue Produkte einzuführen, die zusammen mit Stratus™ verwendet werden können und die es möglich machen, das Zelt in neuen Zusammenhängen zu nutzen; 2) eine Methode zum noch schnelleren – aber unverändert sicheren – Aufstellen, Abbauen und Zusammenkoppeln von Stratus™ zu präsentieren; 3.) einen Schritt voraus zu sein im Hinblick auf künftige Flammschutz-, Widerstandskrafts- und Umweltverträglichkeitsnormen.

Die Reise geht weiter …